• Rückblick auf den Frühlingsanlass vom 13. Juni 2019

Rückblick auf den Frühlingsanlass vom 13. Juni 2019

25.06.2019

Zwicky-Areal: Wie aus einer alten Brache ein aufregendes neues Quartier entsteht. Die wechselvolle Geschichte des Zwicky-Areals seit dem 19. Jahrhundert: Die aktuelle Version des 21. Jahrhunderts ist mehr als nur einen Besuch wert - erst recht mit einer fachkundigen Führung.

Die Mitglieder des HEV WuU sind privilegiert, war doch das "Führungspersonal" an ihrem diesjährigen Frühjahrsanlass ausgesprochen hochkarätig: Es bestand aus Prof. Dr. Monika Zwicky höchst-persönlich, Tomaso Zanoni, dem für die Gesamtprojektleitung verantwortlichen Architekten und Städtebauer, dem für die gesamten Anlagen verantwortlichen Cheftechniker sowie - last but not least-der Marketing- und Verkaufschefin der Brauerei Hardwald AG, einer gelehrten Bier-Somélière.

Wechselvolle Geschichte der Zwicky & Co.

Fabrikationsbetriebe gab es auf dem Gelände schon im vorletzten Jahrhundert und 1839 erteilte die Gemeinde Wallisellen das erste Wasserrecht an die Zwicky & Co für den Betrieb der Produktionsanlagen. Die Fabrik produzierte Nähfaden, Garne und Nähseide und exportierte ihre Produkte in die ganze Welt. Ab den 1980er Jahren ging die Produktion zurück und der Fokus wurde auf Spezialprodukte verlegt. Im Jahr 2000 kam dann die Produktion in Wallisellen zum Stillstand; der noch bestehende Rest ging an die Gütermann GmbH in Süddeutschland und Peter Zwicky war dort noch bis 2016 Geschäftsführer.

Spannende Geschichte des Zwicky-Areals

Lange Zeit war das Zwicky-Areal ein "Niemandsland" zwischen Wallisellen und Dübendorf mit grossem, eigenen Gutsbetrieb (bis zu 80 Kühen) und - zufolge der Distanz zu Wallisellen und Dübendorf - eigener Feuerwehr; das waren noch Zeiten … . Heute erinnert noch ein erratischer Grenzverlauf daran; die Grenze zwischen Wallisellen und Dübendorf geht teilweise mitten durch die Gebäude hindurch, was den Amtsschimmel sicher vor Freude wiehern lässt.

Die Planung des neuzeitlichen Areals begann 2000 und der erste Gestaltungsplan wurde 2003 ohne Gegenstimme(!) verabschiedet. Auch dessen Revision im Jahre 2011 blieb unbestritten. Nachdem 2008 das erste neue Gebäude fertiggestellt war (jenes im Westen des Areals), wird die Neugestaltung im Jahre 2020 abgeschlossen.

Konzept aus einem Guss

Es dürfte wohl ein Glücksfall sein, dass die Familie Zwicky eine konkrete Vision davon hatte, was auf ihrem Areal entstehen soll. So sass sie voll im Fahrersitz, konnte alles aus einer Hand planen und klare Vorgaben für die Raumaufteilung (inkl. Plätze), Dimensionen, Formen und Materialisierung umsetzen.

Der schwierigen Umgebung mit Autobahn / -Zubringer und S-Bahn, welche das Areal voll durchschneidet, wurde mit städtebaulichen und baulichen Massnahmen begegnet: Es entstand ein Quartier mit Mischnutzung (Gewerbe und Wohnen), einem alten industriellen Kern und vielen Innenhöfen als ruhige Inseln. Die Glatt und der Kriesbach wurden (teilweise) renaturiert, alte Gebäude teilweise renoviert, andere abgerissen. Dass es dabei einige Anekdoten zu hören gab aus der Zusammenarbeit mit den verschiedenen Behörden (welche unter sich auch nicht immer einig waren), erstaunt nicht wirklich. Das Areal wirkt lebendig: Es gibt Läden, Handwerk, Ateliers, Restaurants, ein Hotel, einen Biergarten (ab 2020, direkt an der Glatt) und eine Brauerei. Der Slogan "in 15 Minuten am Bellevue" lässt sich dank eigener Haltestelle der Glattalbahn (Neugut) effektiv umsetzen.

Interessante technische Details

Die maximale Höhe der Gebäude beträgt 25m, ausser beim Hochhaus (Hotel harry's home), welches 50m (14 Stockwerke) hoch ist. Das ganze Areal hat eine Dimension von 260'000m2 (also rund 36 Fussballfeldern), wovon ein bisschen weniger als die Hälfte überbaut ist. Insgesamt entstehen 1'100 Wohnungen, davon 1'000 Mietwohnungen (viele für Studentinnen und Studenten der nahegelegenen EMPA und EAWAG - und für die Baugenossenschaft Kraftwerk, welche sich durch innovative neue Ansätze des Zusammenlebens hervorhebt) und 100 Eigentumswohnungen. Die Fenster sind zufolge der Lärmvorschriften für die Schalldämmung individualisiert und die Energieversorgung basiert auf kalter Fernwärme (Abwärme der nahegelegenen ARA), modernen Wärmepumpen und dem unerlässlichen Erdgas für die Spitzenabdeckung. Ein Besuch auf www.zwicky-areal.ch lohnt sich allemal; noch mehr aber ein echter Besuch im Areal.

Die "eigene" Brauerei gehört zum Konzept

Aussergewöhnlich für eine Quartierentwicklung ist, dass von allem Anfang an vorgesehen war, eine Brauerei anzusiedeln. Das ist mit der Brauerei Hardwald AG geglückt. Diese ist eine kleine Aktiengesellschaft, die dem Publikum offensteht (Aktien seien noch erhältlich …). Sie hat kürzlich kräftig ausgebaut und das Sudhaus der (weniger glücklichen) Brauerei Surselva in Flims erworben. Mit Malz und Hopfen aus Bayern und 2000 Liter Tanks strebt sie nun eine jährliche Produktionskapazität von 4'000 Hektoliter (somit rund 1'333'000 Stangen) an. Auch da lohnt sich ein Besuch allemal; vorab auf www.brauerei-hardwald.ch - später live vor Ort.

Selbstverständlich konnten dann die Anwesenden beim an die Führung anschliessenden Imbiss die verschiedenen Biere testen; ein sympathischer Abschluss eines gelungenen Anlasses.

Text: Stefan Schalch, Vorstandsmitglied HEVW
Bilder: Roger Bachmann, Vorstandsmitglied HEVW